170px-Flare and after-flare prominenceVortrag von Dr.  sc. Nat. Marina Battaglia bei der Astronomischen Gesellschaft Graubünden 

Flares (ausgesprochen Flärs) war das häufig vorkommende Wort im Vortrag von Frau Dr. sc. nat. Marina Battaglia bei der Astronomischen Gesellschaft Graubünden vom vergangenen Freitag, den 26. Oktober 2012 . Mit eindrücklichen Bildern und   guten Erklärungen wusste sie aus ihrer beruflichen Tätigkeitswelt zu berichten und setzte die rund 20 Besucherinnen und Besuchern des Vortrags ins Staunen.  In welchem Zusammenhang wird Flares gebraucht, respektive was sind Flares für Astronomen? 

 

 

Von Paul Furrer-Bischofberger, Chur

 Flare (englisch für Aufflackern oder Lichtschein) bezeichnet gemäss Wikipedia:

▪   Flare (Täuschkörper), ein Ablenksystem gegen Lenkwaffen;

▪   Iridium-Flare, eine durch Reflexion von Sonnenlicht an einem Iridium-Satelliten erzeugte Leuchterscheinung am Himmel;

▪   Lens Flare, in der Fotografie Lichtreflexionen und -streuungen im Linsensystem;

▪   eine Form der Sonneneruption;

▪   einen Zustand des Flugzeugs beim Landeanflug;

▪   eine DJ-Technik ;

Flares sind also der Sonneneruption zuzuordnen, sind also ein Gebilde erhöhter Strahlung innerhalb der Chromosphäre der Sonne. Sie sind auf elektromagnetische Vorgänge innerhalb der Sonne zurückzuführen. Bekanntlich besteht die Sonne aus einem Plasma aus negativen Elektronen und positiven Ionen, welche  durch Konvektionsströmungen in ständiger Bewegung gehalten wird. Wegen den unterschiedlichen Massen der Elektronen und der Ionen besitzen die Elektronen eine höhere Geschwindigkeit als die Ionen. Dabei fliesst ein elektrischer Strom, der ein Magnetfeld induziert, wobei sich teilweise „Magnetfeldschläuche“ nach aussen wölben.

Flares kommen in Gebieten der Sonnenflecken und Sonnenfackeln, also äquatorial vor. Täglich sind etwa 5-10 solche Eruptionen beobachtbar. Wissenschaftler klassifizieren sie je nach ihrer Röntgenstrahlungsenergie in die Klassen A, B, C, M und X, gemessen in Kiloelektronenvolt (keV).

Die Sonne so nah wie möglich beobachten

 Nach einem Exkurs in die Vergangenheit legte die Referentin, Frau Dr. Battaglia, das Hauptgewicht des Vortrages auf  jene Satellitenbilder der Sonne, welche in einigen Jahren zu erwarten sind. Für die künftigen Aufnahmen der Sonnenoberfläche sollte sich der Solar Orbiter auf eine Distanz von nur etwa einem Viertel der Erdumlaufbahn nähern.  Sein Start ist für 2017 geplant. An Bord wird das neu entwickelte Röntgenteleskop STIX (Spectrometer/Telescope for Imagin X-rays) mitgeführt, das unter der Führung der Schweiz gebaut wird.

Eine Vielzahl von weiteren Instrumenten am Solar Orbiter sollten dann aus nächster Nähe von der Sonne Antworten auf so manche Fragen der Sonnenphysik liefern.

Wegen der kosmischen Strahlung werden alle Detektoren schlechter, so dass auch die Lebensdauer des Solar Orbiters beschränkt sein wird. Allerdings dürfte versucht werden, durch Aufwärmen der Detektoren auf rund 100°C Verbesserungen herbeizuführen.

Erwähnung fand im Vortrag von Dr. Marina Battaglia auch der Spezialforschungsbereich „FOXSI“, indem es um eine technologisch ganz besonders wichtige Klasse von Oberflächen geht.  Hier treten Materialwissenschaften und Quantenphysik gemeinsam auf: Materialeigenschaften sind eng mit den quantenphysikalischen Wechselwirkungen zwischen Atomkernen und Elektronen verknüpft (siehe unter Magnetismus in zwei Dimensionen / Universität Wien).

Wer sich schon jetzt an faszinierenden Bildern der Sonne erfreuen möchte,  kann solche auf Internet finden  unter dem Begriff „SOHO Sonnenbilder“. Soho ist ein Satellit in einer Entfernung von 1.5 Millionen Kilometer von der Erde um die Sonne.

 

Chur, Ende Oktober 2012 a