Übermässiges künstliches Licht beeinträchtigt nicht nur die natürliche Nachtlandschaft, sondern kann auch das Leben vieler Pflanzen- oder Tierarten und den Menschen erheblich stören.

  1. Pflanzen an stark beleuchteten Orten blühen früher als normal, womit sie dem Frost zum Opfer fallen können
  2.  Nachtaktive Insekten werden von Kunstlicht angezogen. Untersuchungen haben gezeigt, dass an einer Strassenlaterne nachts bis zu 150 Insekten sterben. An den Schweizer Strassenlampen sterben somit jedes Jahr über sieben Milliarden Insekten und fehlen damit Vögeln und Fledermäusen als Nahrung.
  3. Zwei Drittel der Zugvögel begeben sich nachts auf den Vogelzug und orientieren sich unter anderem an den Sternen.
  4. Fledermäuse fliegen bei einer Beleuchtung ihrer Schlaf- und Jungenaufzuchtquartiere später oder gar nicht zur nächtlichen Jagd aus, was zum Tod der Jungtiere und langfristig zum Verlassen des Quartiers führen kann.

    Und der Mensch?

    Wo immer wir stehen, gehen oder fahren, Licht scheint uns Sicherheit zu vermitteln. Dabei wird vergessen, dass unser Auge in wenigen Minuten sich an die Dunkelheit gewöhnt und alle dunklen Ecken viel heller erscheinen lässt.

    Mit Kunstlicht wird auch die Länge der Tage vergrössert.  Wird aber damit nicht die Natur (Pflanze, Tier, Mensch) in der natürlichen Ruhe gestört?

    Der Respekt gegenüber allem Leben erfordert natürliche Dunkelheit. Unnötige Lichtemissionen sind zu vermeiden..

    Dabei entstehen einleuchtende Nutzen:

    1. Menschen schlafen gesünder;
    2. Nachttiere finden ihren Weg auf nächtlichen Flügen und Wanderungen;
    3. Nachtaktive Tiere behalten ihren angestammten Lebensraum;
    4. Pflanzen behalten ihren jahreszeitlich natürlichen Stoffwechsel.

    Ein Bundesgerichtsurteil liegt vor. Es gilt:

    Nicht sicherheits-relevante Beleuchtungen wie Schaufenster, Leuchtreklamen, Kunst am Bau und Fassadenbeleuchtungen sind nachts zwischen 10 Uhr und morgens 6 Uhr auszuschalten. Sicherheitsrelevante Beleuchtungen sollen gemäss bestehenden Normen bedarfsgerecht und uweltverträglich installiert werden, zum Beispiel mit Bewegungsmeldern. Hier dürfte ein enormer Nachholbedarf  vorliegen.

    Leider kann wegen des Kunstlichtes auch unsere Nachtlandschaft nicht mehr richtig wahrgenommen werden.. Die meisten Menschen in Westeuropa sehen an ihrem Wohnort nie einen wirklich dunklen Sternenhimmel. Damit geht eine Jahrtausend alte Inspirationsquelle der Menschheit verloren. Zudem erschwert die Aufhellung des Nachthimmels wissenschaftliche Untersuchungen des Weltalls. Selbst in unseren Gegenden wirkt sich die Nachtbeleuchtung  aus der Lombardei/Mailand noch geringfügig aus.

    Wie fahrlässig der Mensch mit Licht umgeht, lässt sich mit folgendem Bericht festhalten:

    Immer mehr Menschen leiden unter einem chronischen Schlafdefizit, denn sie unterschätzen den Einfluss des künstlichen Lichts vor dem Zu-Bett-Gehen: Vor allem blau angereichertes Licht, wie es LED-Bildschirme, E-Reader, Tablets oder Smartphones aussenden, stört den Schlaf. LED-Licht macht wach statt schläfrig

    «Viele checken um Mitternacht noch ihre E-Mails, schreiben SMS oder sind sonst aktiv bis zur Übermüdung und schlafen höchst unregelmässig. Doch damit bringen sie ihre innere Uhr durcheinander – und schlafen schlechter», sagte Charles Czeisler von der Harvard Medical School in den USA.

    Schlecht für den Schlaf sei auch ein bestimmtes Kunstlicht, nämlich «kurzwelliges Licht mit erhöhtem Blauanteil im Lichtspektrum, wie man es in Beleuchtungen mit LED oder Leuchtdioden findet, also in den neuen Smartphones, Tablets oder Fernsehbildschirmen.»

    Nebst der Verdunkelung des Schlafzimmers sollte unbedingt auch beachtet werden, dass eine SMS und Mails mehr in der Nacht bearbeitet werden.

    Wer also zu Schlafproblemen tendiert, sollte das Leuchten solcher Geräte in der Zeit nach Sonnenuntergang und vor dem Zu-Bett-Gehen möglichst meiden, so der Rat der Schlafforscher.

    Paul Furrer-Bischofberger, Chur