Vor genau 200 Jahren, im Jahre 1812, konnte das Chaos im Kalenderwesen mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders in Graubünden beendet werden, nachdem  auch  Schiers und Grüsch zustimmten. Mangels fehlender Zentralregierung in Graubünden, aber auch als Folge der konfessionellen Spaltung, fand die Einführung nicht einheitlich statt. Während in den katholischen Gemeinden  Graubündens  die Einführung bereits zwischen 1623 und 1624 stattfand, zögerten die reformierten.  Den Anfang machten die Oberengadiner und Bergeller Gemeinden im Jahre 1783. Aber Grüsch und Schiers verweigerten trotz einer Verfügung des Grossen Rats und bei Busse die Annahme. Mit ihrem Verhalten bis zum Jahre 1812 übernahmen sie als letzte politische Instanzen in West- und Mitteleuropa den noch heute geltenden Kalender.

 

Von Paul Furrer-Bischofberger, Chur

Der Julianische Kalender, eingeführt im Jahre 46 v.Chr., beendete auf Geheiss von Julius Cäsar, das damalige Chaos des Kalenderwesens  in seinem Römischen Reich. Sehr unterschiedliche Jahreslängen von 355, 377 und 378 Tagen führten zu enormen Abweichungen im Jahreszyklus. Willkürliche Einschaltungen von Tagen und gar Monaten bewirkten Abweichungen des Kalenders von der Natur um rund drei Monate.

Die  damals beauftragten alexandrischen Astronomen führten Monatslängen von 30 und 31, respektive für Februar von 28 Tagen ein.  Mit einem aussergewöhnlichen Schaltjahr von 445 Tagen wurde der neue Kalender eingeführt.  Auch die Schaltregel von jeweils einem Schaltjahr nach drei Jahren fand Einzug  im Julianischen Kalender. Damit wurde erreicht, dass  der Kalender  relativ nahe an den tropischen Kalender, an die Umlaufzeit der Erde um die Sonne, kam. Mit der Jahreslänge von 365.25 Tagen wurde aber die wirkliche Umlaufzeit von 365.2422 Tagen noch immer um rund 11 Minuten verfehlt. Kaiser Augustus  stiess zur Zeit der Geburt Jesus auf den Fehler. Er liess damals während 12 Jahren die Schaltjahre ausfallen.Bis ins 16. Jahrhundert summierten sich die Fehler auf rund 10 Tage.

Seit 1583 gilt der Gregorianische Kalender

Unter Papst Gregor XIII. wurden die angehäuften Fehler per Dekret korrigiert. So bestimmte er im Jahre 1582, dass auf Donnerstag,  den 4. Oktober der  Freitag, der 15. Oktober folgen musste . Mit einfachen Regeln, verteilt auf eine Zeitspanne von 400 Jahren, konnte eine grosse Annäherung an die effektive Jahreslänge erreicht werden.

a)    Jedes durch vier teilbare Jahr ist ein Schaltjahr von 366 Tagen.

b)   Ausnahmen bilden alle durch 100 teilbaren Jahre, welche eine normale Dauer von 365 aufweisen müssen.

c)    Von der letzten Bestimmung sind allerdings alle durch 400 teilbaren Jahre, auch wenn sie ohne Rest durch 100 teilbar sind.  Diese Jahre wie 1600, 2000 oder 2400 sind „normale“ Schaltjahre.

 Mit diesen Regelungen wird erreicht, dass das tropische Jahr eine Dauer von 365.2425 Tagen erreicht wird und die jährliche Abweichung nur 0.0003 Tage ausmacht. Dies ergibt eine Abweichung von einem Tag in 3333 Jahren.

Der von der katholischen Kirche festgelegte Kalender fand zuerst nur Aufnahme in den katholischen Ländern Polen, Portugal, Spanien und Teilen Italiens. Erst sukzessive folgten die anderen katholischen Länder und in der Schweiz die katholischen Kantone. Die meisten reformierten Kantone kamen der Einführung im Jahre 1700/1701 nach. Der Halbkanton Appenzell Ausserrhoden und der Kanton Glarus folgten aber erst im Jahre 1724.  Graubünden, wegen der zögernden Zustimmung in Grüsch und  Schiers kam erst vor genau 200 Jahren, im Jahre 1811/12 zu einem einheitlichen Kalenderwesen.  Graubünden nimmt damit den letzten Platz  aller Territorien in West- und Mitteleuropa ein.

In osteuropäischen Gebieten wie Russland,  Rumänien, Bulgarien oder Griechenland (ohne Athos),  oder in Japan und China erfolgte die Einführung noch später, teils erst  in der Mitte des letzten Jahrhunderts. In der Schweiz,  in Deutschland, Oesterreich, usw. gelten die Datumsangaben gemäss Norm ISO 8601, basierend auf dem Gregorianischen Kalender, wobei die Zahl Null (bei den Römern noch inexistent) wie auch negative Jahreszahlen vorgesehen sind. Apple entwickelte das Kalenderprogramm iCal und berücksichtigt jene Korrektur im Jahre 1582 (4.Oktober/15. Oktober) , während das Unix-Standard-Tool cal den erwähnten Sprung von zehn Tagen im September 1752 festlegt.

Gerne erinnern sich die Appenzeller mit ihrem alten Silvester, jeweils um den 13. Januar, an den alten Kalender, oder die Russen mit ihrer Oktoberrevolution im November.