Kalender

April 2016 - Besuch der Sternwarte Urania, Zürich

Das genaue Datum wird noch bekannt gegeben.

Zeitschrift Orion

Die Fachzeitschrift
für Astronomie

antikytheraDer Jahresverlauf ist stark gekoppelt mit der Landwirtschaft. Deshalb interessierte sich die Menschheit schon sehr früh mit der Dauer des Jahres. Aus Beobachtungen des höchsten Sonnenstandes über Mittag und aus den Auf- und Untergängen schlossen schon die alten Ägypter auf die Länge des Jahres. Sehr exakt ermittelten sie die Länge des Jahres mit 365 Tagen und merkten auch, dass noch eine Korrektur notwendig war, was zu einer Länge führte. Diese Länge liegt mehr oder weniger dem julianischen Kalender zu Grunde. Und mit dieser Namensgebung wurde und wird Gaius Julius Cäsar (13. Juli, 100 v. Chr. bis 15. März 44 v. Chr.) „geehrt“. Ich meine, dass diesem Feldherr und römischem Staatsmann keine Ehre zukommen sollte, war er doch Vertreter all jener  Staatsführer, welche seit der Schlacht von Korinth im Jahre 146 v. Chr. gegen die Griechen bis ins 17. Jahrhundert n. Chr. die Ära der Geistigen Finsternis (Ben Moore*) aufrechterhielten. Die Römer waren stets bestrebt, ihr Riesenreich  zu sichern, anstatt  die Wissenschaft voranzutreiben. Strassen in alle entlegenen Gebiete wurden errichtet. Da erinnern wir uns „gerne“ auch an die Alpenübergänge. Die Römer tolerierten aber auch die Religionen, welche sich durch die bessere Erreichbarkeit besser ausbreiten konnten. Und so gewann die damalige römische Kirche zusehends an Bedeutung, im Speziellen nach den Untergängen der beiden römischen Reiche. Es war somit ein Leichtes, die im Jahre 541 n. Chr. stattgefundene Ausbreitung der justinianischen Beleulenpest dem Urteil und der Strafe Gottes zuzuschreiben. Aber auch der Schwarze Tod im 14. Jahrhundert wurde dem Zorn Gottes zugeordnet.

Von Paul Furrer-Bischofberger, Chur

Erst seit Beginn der Aufklärung im 17. Jahrhundert konnte sich die Wissenschaft  wieder entwickeln.  Ich meine - gelinde gesagt - dass während  der „Römerzeit“ und der nachfolgenden kirchlichen Dominanz  die Wissenschaft „still“ stand.

Bevor als Beispiel auf ein hoch entwickeltes  Gerät der Griechen  eingegangen wird,  das aber nachher vollständig in Vergessenheit geriet, verweise ich auf eine Schrift von  Ben Moore*, der auf verständlicherweise  unter dem Titel „Elefanten im All“ (ISBN 978-3-0369-5622-0), Verlag Kein & Aber, Zürich/Berlin mich zu gewissen Überlegungen führte.

Antikythera (nach Angaben aus Wikipedia)

antikythera

Im Jahre 1900 fanden Taucher  vor der griechischen Insel Antikythera ein antikes Gerät, vergleichbar mit einer Astronomischen Uhr. Da auch Münzen auf dem Schiffswrack aus der Zeit vor Christi Geburt gefunden wurden, konnte der Untergang des Schiffes auf die Zeit zwischen 70 und  60 v. Chr. datiert werden, also aus der Zeit der späteren Zeit der  Griechen.

Das gefundene „Instrument“ war allerdings unvollständig, doch ergab die noch andauernde Rekonstruktion, dass es als Modell für beobachtbare Bewegungen von Sonne und Mond diente. Es dürfte wohl das anspruchsvollste Gerät jener Zeit gewesen sein, mit 30 Zahnrädern.

Die skalierten Anzeigen sind grösstenteils als Kalender zu deuten. Mit  drei grossen und drei kleinen Anzeigen dürften die folgenden vier astronomischen Möglichkeiten erfasst worden sein:

Die Fragmente des Gerätes beschäftigt die Wissenschaft seit dem Fund vor über einhundert Jahren bis heute. Eine Chronologie ist nachlesbar bei Google unter „Mechanismus von Antikythera“.

Aus der erwähnten Literatur ist die folgende Anzeigen-Übersicht entnommen, ohne Interpretation all der  „Fach“-ausdrücke entnommen.

Lage Anzeige Funktion
vorn zentral Große Kreisanzeige Sonnenjahr
  mit äußerer Ringskala 12 Ägyptische Monate + 5 Schalttage
  mit innerer Ringskala 12 Babylonische Tierkreiszeichen
  mit Sonnenzeiger Jahreskalender-Datum und Lageanzeige der Sonne im Tierkreis
  mit Mondzeiger Lageanzeige des Mondes im Tierkreis
  mit Mondphasenkugel Mondphasenanzeige (Kugel auf Mondzeiger)
   ?? mehrere Planetenzeiger ??  ?? Lageanzeige der Planeten im Tierkreis ??
     
hinten oben zentral Große Spiralanzeige Meton-Periode (19 Sonnenjahre)
  mit 5-teiliger Spiralskala 235 synodische Monate, zusammengefasst in 19 lunisolaren Kalenderjahren
  mit Zeiger

Anzeige des synodischen Monats 1, 2, … oder 235

und des lunisolaren Kalenderjahres 1, 2, … oder 19 in der Meton-Periode

hinten oben zentral links Kleine Kreisanzeige Kallippus-Periode (76 Sonnenjahre)
  mit Zeiger Anzeige der 19-jährigen Teilperiode 1, 2, 3 oder 4 in der Kallippus-Periode
hinten oben zentral rechts Kleine Kreisanzeige Olympiaden-Periode (4 Kalenderjahre)
  mit Zeiger Anzeige des Jahres 1, 2, 3 oder 4 in der Olympiaden-Periode
     
hinten unten zentral Große Spiralanzeige Saros-Periode (≈ 18 Sonnenjahre)
  mit 4-teiliger Spiralskala 223 synodische Monate, zusätzlich mit Sonnen- oder Mondfinsternis skaliert
  mit Zeiger Anzeige des synodischen Monats mit einer Sonnen- oder Mondfinsternis
hinten unten zentral rechts Kleine Kreisanzeige Exeligmos-Periode (≈ 54 Sonnenjahre)
  mit Zeiger Anzeige der 18-jährigen Teilperiode 1, 2, oder 3 in der Saros-Periode

Persönliche Bemerkung zur „Neuzeit“

Ich kann nur staunen über die wissenschaftlichen Leistungen, welche  vor der heutigen Zeitberechnung stattfanden. Mit grösster Hochachtung  dürfen wir zurückblicken und sich wohl fragen, ob all unsere „ach so wichtigen Errungenschaften“ überhaupt möglich wären ohne jene fundamentalen Forschungs- und Beobachtungsergebnisse. Dazu gehören die Erkenntnisse über die Grundbausteine der Materie (Thales von Milet), resp., dass alle Dinge aus winzigen Teilchen zusammengesetzt sind, die man nicht mit blossem Auge sehen kann (Demokrit), die erste Abhandlung über das Universum und die Anfänge des Lebens (Anaximander: Das Leben begann im Wasser und Schlamm). Pythagoras, Eratosthenes, Aristoteles und etliche weitere Griechen dürften wichtige fundamentale Träger für die heutige Wissenschaft sein. 

Warum gab es zu Beginn der Römerzeit noch Zentralheizungen, die aber bis vor wenigen Jahrzehnten vergessen blieben? Nicht die Römer, sondern die Griechen schufen diese.  Die Liste ihrer grossartigen Erfindungen ist lange. Dazu gehören (aus Ben Moore): Tunnels und Aquädukte, Winden, Kräne und Wassermühlen, Schleusen, Zahnräder (siehe  Antikythera), Leuchttürme, Toiletten, Duschen Zentralheizung, Stadtplanung, Wegmesser, Wecker.

In der Zeit vom 2. Jahrhundert vor bis zur Aufklärung im 17. Jahrhundert nach Christi Geburt ist die Welt der Wissenschaft stillgestanden.  Diese rund zwei Tausend Jahre  müssen „zu Recht“ als das Zeitalter der geistigen Finsternis genannt werden. Es war die Zeit der menschlichen Gier und des Wunsches nach Reichtum und Macht. Doch leben wir heute nicht immer noch in einer Zeit, wo Krieg und Herrschaft, wo Angst und „Fehlleitungen“, wo Lug und Trug Steuerelemente sind?  Waren oder sind nicht die erste Umkreisung der Erde mit einem Satelliten, die erste Landung eines Menschen auf dem Mond, das Zünden einer Wasserstoffbombe, der Bau von Drohnen, all die Selbstmordanschläge, usw. Machtgebaren?  Zielen nicht   die Globalisierungen in der Industrie und im Dienstleistungssektor auf Macht hin?  Verhindern nicht Drang und Wunsch nach einem höheren Zinsfuss** für entlehntes oder angelegtes Kapital, all die Verlockungen von Lotterien, die permanente Gier und Forderungen nach mehr Lohn,  die Automatisierungen, das Fernhalten von Flüchtlingen, usw. unsere Möglichkeiten für eine „gerechtere“ Welt? Aber wohin führt uns die Politik? Die Antwort des ehemaligen Finanzministers von Griechenland, Yanis Varoufakis lautet: „Politik fördert die Unehrlichkeit. Denn diejenigen, die bereit sind, ihre Prinzipien zu opfern, sind oft erfolgreicher“. Es ist „himmelschreiend“ sehen zu müssen, wie Mitmenschen im 21. Jahrhundert eingekesselt und ausgehungert werden, damit eine kleine Gruppe unserer Spezies ihre Macht ausspielen kann. Man muss „fast“ meinen, dass wir – trotz unseres Wissens – in einer totalen Finsternis leben.  Ein Beispiel dazu liefert gerade die Europäische Union, welche nicht transparent ist und äusserst undemokratisch geführt wird. Ist unsere Lernfähigkeit im Abbau begriffen? Müssen/Dürfen wir neidvoll zurückblicken auf die Ära unserer alten Griechen?

Vor lauter finanzieller, religiöser und umweltbelastender Probleme unserer Politik wird das einzelne nicht nach Macht strebende und  „gier lose“ Individuum  in der Gesellschaft  kaum beachtet. Damit wird der unabhängige Zugang zur neutralen Wissenschaft blockiert. Der Rückfall in die Umnachtung während den erwähnten rund zwei Tausend Jahren bekommt  mit der Aussage  von Varoufakis, dass die Politik die Unehrlichkeit fördert,  neuen Aufwind. Und aus astronomischer Sicht: Was tragen all die Ergebnisse aus der weiten Welt, was die Schwarzen Löcher, was die Erkenntnisse aus dem Urknall, und, und, und für die rasant zunehmende Weltbevölkerung bei? Sind sie nicht bloss das Ergebnis einer Pseudowissenschaft, um Gier, Macht und Vormachtstellung einzelner Regierungen zu stillen?  Mit welchen Gedanken setzt sich die eingekesselte Bevölkerung im Nahen Osten auseinander? Und wie verhalten wir uns im Kreise des alltäglichen Wohlstandes (Brot von gestern)?  Wohin steuert der „ach so kluge homo sapiens“?

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Ich brauche Wahrheit. Ihre stille Quelle im dunklen Schutt des Irrtums aufzugraben, ist nicht das Los der Könige. Gib mir den seltnen Mann mit reinem, offnem Herzen, mit hellem Geist und unbefangnen Augen, der mir sie finden helfen kann.

(Friedrich Schiller)

* Nachtrag 1

  • Ben Moore
  • I am Professor of Astrophysics at the University of Zurich. My research is centred on understanding the origin and evolution of the Universe and how stars, planets and galaxies form. We often use custom built supercomputers such as our in-house constructed zBox.
  • I enjoy communicating science to the public through different media. My 2012 popular book Elefanten im All” describes the history and future of life and the universe. Updated in 2014, it is now available as a softback. It is also available in English under the title “Elephants in Space”, published by Springer in 2014. My latest book is “Da Draussen - Leben auf unserem Planeten und anderswo”Hallo daar!”).
  • I create electro-rock music under my artist name “Professor Moore”. My new solo album “Escape Velocity” was released in 2014.

**  Nachtrag 2

Hat nicht bereits Martin Luther /1483-1546, deutscher Reformator, einst dem reichen Jakob Fugger(1459-1525, bedeutendster Kaufherr und Bankier Europas) vorgeworfen, dass Zinseinnahmen (damals aus dem Ablasshandel) schlecht sei? Der Reichtum Fuggers machte ihn zum mächtigsten/reichsten Bürger des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Chur, 16. Januar 2016

Paul Furrer